Katze

Eine Tierschutz-Katze kommt nach Hause
-Informationen für die erste Zeit-
Zunächst einmal DANKE, dass Sie einer Tierschutzkatze
(vorübergehend oder für immer) ein Zuhause geben! Damit alles von
Anfang an gut läuft, habe ich hier die wichtigsten Informationen
zusammengestellt, die Ihnen und Ihrer Katze das zusammentreffen und
die erste gemeinsame Zeit erleichtern können.

  1. Der stressfreie Einzug:
    Zunächst ist es wichtig, dass Sie sich in Erinnerung rufen, dass die
    Katze höchstwahrscheinlich einen hohen Stresspegel hat, wenn Sie hier
    in Deutschland und bei Ihnen Zuhause ankommt. Sie wurde aus ihrer
    Umgebung (sei es die Straße, ein Tierheim oder gar ihre Familie)
    herausgerissen. Zudem hat sie eine lange, strapaziöse Fahrt hinter sich.
    So sollten Sie der Katze zunächst Zeit geben, um sich zu akklimatisieren
    und zum „Ankommen“ erst mal nur einen vorbereiteten Raum zur
    Verfügung stellen in dem sie sich aufhält. Das ist wichtig, um sie keiner
    Reizüberflutung auszusetzen und ihr das Gefühl von Sicherheit zu
    geben. Bestücken Sie dieses Zimmer mit allem was die Katze braucht
    (Wasser- und Futternapf, Katzenklo, Schlafplatz, etc.). Mit zunehmender
    Selbstsicherheit können sie ihr dann das Erobern der ganzen Wohnung
    (peu a peu) ermöglichen.
    Stellen Sie die Transportbox, in der Sie Ihren neuen Mitbewohner in
    Empfang genommen haben, in ebendiesen Raum und öffnen das
    Türchen. Dann setzen Sie sich ruhig auf den Boden und warten. Die
    Katze sollte jetzt unbedingt selbst entscheiden können, ob und wann sie
    aus der Box kommen mag. Wenn Sie merken, dass die Katze so
    verschüchtert ist und gar nicht heraus will, verlassen sie lieber den
    Raum, um sie zur Ruhe kommen zu lassen. Es ist jetzt ganz wichtig, das
    Tier nicht zu drängen, sondern ihm die Zeit zu geben, die es braucht.
    Die Katze befindet sich gerade in einer absoluten Ausnahmesituation.
    Das Letzte was sie jetzt brauchen kann sind fremde Menschen, die
    ganze Familie oder gar Freunde der Kinder, die sie alle kennenlernen
    wollen. Das muss noch warten!
    Wenn sich dann schließlich das Tier aus seiner Box wagt, sollte man es
    in Ruhe alles erkunden lassen. Das bedeutet, die Katze (auch wenn es
    noch so schwer fällt) nicht gleich zu streicheln, oder auf den Arm zu
    nehmen, sondern zu warten bis sie auf einen zugeht und signalisiert,
    dass sie bereit für Streicheleinheiten ist.
    Tipp:
    Auch Gerüche mit entspannender Wirkung, wie Baldrian-/
    Katzenminzkissen, oder Feliway Spray können beim Eingewöhnen
    hilfreich sein.
  2. Katzengerechte Einrichtung der Wohnung:
    Bevor der neue Mitbewohner bei Ihnen einzieht, sollten Sie alle
    möglichen Gefahrenquellen entfernen, wie z.B. Gegenstände die leicht
    umfallen und somit der Katze einen Schreck einjagen können. Aber
    auch für Katzen giftige Pflanzen sind zu beseitigen, da die Stubentiger
    gerne mal an Pflanzen knabbern, sei es aus Langeweile, durch Stress,
    oder weil sie auf der Suche nach Katzengras sind.
    Hierbei sei erwähnt, dass man der Samtpfote gerne einen Blumentopf
    mit Katzengras bereitstellen kann. Auf Katzengras kauen die Tiger
    herum, um verschluckte Haarballen leichter hochwürgen zu können.
    Ein kleiner Überblick über die gängigsten Wohnungspflanzen, die für
    Katzen giftig sind:
    – Aloe Vera
    – Amaryllis
    – Ficus Benjamini
    – Yucca-Palme
    – Philodendron
    – Efeutute
    – Weihnachtsstern
    – Küchenkräuter: Petersilie, Schnittlauch, Bärlauch
    Wichtig:
    Um auf Nummer Sicher zu gehen, empfiehlt es sich immer, die eigenen
    Pflanzen vorher auf Giftigkeit für Katzen beim Tierarzt oder durch
    andere seriöse Quellen abklären zu lassen, auch wenn die Katze
    eigentlich einem natürlichen Instinkt folgt und toxische Pflanzen in der
    Regel meidet!
    Ein weiterer wichtiger Punkt bei der katzensicheren Wohnung sind
    Türen und Fenster. Gekippte Fenster bergen Verletzungsgefahr wenn
    die Katze versucht nach draußen zu schlüpfen. Dabei kann sie
    steckenbleiben und sich das Rückgrat quetschen, was sogar eine
    Querschnittslähmung zur Folge haben kann. Auch sollte man darauf
    achten, vor allem Haus- und Terrassentüre immer geschlossen zu
    halten, um ein Ausbrechen der Katze zu verhindern. Denn gerade
    Straßenkatzen sind es gewohnt draußen zu sein und sich „alleine durchs
    Leben zu schlagen“ und haben daher evtl. erstmal wenig Interesse
    daran nach einem Streifzug wieder nach Hause zu kommen. Das
    gewöhnen an den Freigang (wenn das örtlich möglich ist, bzw. keine viel
    befahrenen Straßen in der Nähe sind), sollte daher auch erst erfolgen,
    wenn die Katze Ihre Wohnung als neues zu Hause akzeptiert und
    angenommen hat. Mindestens zwei Wochen dürfte hierfür in etwa eine
    Richtzeit sein, bei labilen oder traumatisierten Tieren auch länger.
    Für Fenster gibt es im Fachhandel Schutzgitter zu kaufen, die der Katze
    ein Durchschlüpfen durch offene oder gekippte Fenster verwehren.
    Desweiteren sind spezielle Schutznetze erhältlich, die den Balkon
    katzensicher werden lassen, um dem Stubentiger einen kleinen Auslauf
    an der frischen Luft zu ermöglichen.
    Desweiteren müssen folgende Gegenstände von der Katze unerreichbar
    aufbewahrt werden:
    –scharfe und spitze Objekte
    –Medikamente
    –Haargummis, Büroklammern, Knöpfe (alles was sehr klein ist und von
    der Katze verschluckt werden kann)
    –Putzmittel und andere Chemikalien
    –Plastiktüten, Müllbeutel (Verschluck- und Erstickungsgefahr)
    –offenes Feuer (Kerze, Kaminfeuer)
  3. Der Futterplatz:
    Grundsätzlich sollte der Futterplatz immer an einer ruhigen Stelle sein
    wo wenig hektisches Treiben stattfindet und somit die Katze ungestört
    fressen kann. Mit der Auswahl des Futters (Trocken- und/oder
    Nassfutter), muss man sich anfangs evtl. langsam vortasten. Es kommt
    auch darauf an, was die Katze an Futter schon kennt.
    Vielleicht wurde die Katze nur mit Abfällen (alte Wurst, oder
    Fleischstücke) oder ausschließlich mit Trockenfutter angefüttert und
    kennt einen steten Futterort noch nicht.
    Der Wassernapf (oder Trinkbrunnen, der mit fließendem Wasser die
    Katze noch mehr zum trinken anregen kann) sollte nicht direkt neben
    dem Futternapf stehen. Katzen in der freien Natur trennen den Ort an
    dem sie fressen strickt von dem Ort an dem sie trinken. Das liegt daran,
    dass die Katze das Gewässer aus dem sie trinkt nicht mit dem Fleisch
    das sie frisst verunreinigen will, um Infektionen vorzubeugen (dieser
    Instinkt ist oft tief in den Tieren verankert).
    Sollten Sie schon eine Katze haben, wäre es zu überlegen, ob Sie die
    Futterplätze örtlich voneinander trennen, um keinen Futterneid
    aufkommen zu lassen. Ein Tier, das auf der Straße gelebt hat, weiß nicht
    dass es regelmäßig Futter bekommt und könnte die konkurrierende
    Katze vom Futterplatz verscheuchen, um sein eigenes „Überleben“ zu
    sichern.
  4. Die Katzentoilette:
    Die Katzentoilette muss weit weg von Futter- und Trinkstelle stehen. Bei
    einer Katze mit Wohnungshaltung (also ohne Freigang) ist die Regel „2
    Katzenklos pro Tier“. Das heißt es sollten jeder Katze zwei Toiletten zur
    Verfügung stehen. Bei nur einem vorhandenen Katzenklo könnte es
    passieren, dass, wenn dieses verunreinigt ist, die Katze unsauber wird
    und ihr Geschäft woanders in der Wohnung verrichtet. Katzen sind
    nämlich sehr reinlich.
    Hierbei gilt es nochmals zu betonen, dass die Katzentoiletten generell
    oft und regelmäßig gereinigt werden müssen, sonst erinnert Sie Ihre
    Katze daran, indem Sie in Ihre Wohnung macht ;-).
    Sie sollten stets daran denken, dass Ihr Tier von der Straße kommen
    könnte und noch nicht kennt ein Katzenklo zu benutzen. Zur
    Gewöhnung könnte man die Toilettenschale erst mal mit Erde und Sand
    befüllen, und erst nach und nach den Anteil an Katzenstreu erhöhen.
    Auch kann man der Katze das Klo immer wieder zeigen, indem man mit
    den Händen darin scharrt oder (vor allem gut bei Kitten) sie nach dem
    Fressen ins Katzenklo setzt, um ihr klar zu machen, dass „dieses
    komische Ding“ für die Notdurft gut geeignet ist.
  5. Der Schlafplatz
    Manche Katzen verkriechen sich gerne zum schlafen, andere schlafen
    lieber erhöht um den Überblick zu behalten und wieder andere schlafen
    am liebsten da wo ihre Menschen sind. Man kann seiner Katze natürlich
    im besten Fall mehrere solcher Schlafplätze anbieten und das Tier kann
    dann selbst entscheiden wo es liegen will. Oftmals werden auch die
    Schlafplätze gewechselt und so ist es immer schön, wenn die Katze
    mehrere Möglichkeiten hat, um ihren Schönheitsschlaf zu genießen.
  6. Die Katze beschäftigen:
    Da gerade Katzen, die es gewohnt sind sich im Freien den ganzen Tag
    zu beschäftigen, Gerüchen nachzugehen oder Artgenossen zu begegnen,
    in einer reinen Wohnungshaltung oft unausgeglichen und unterfordert
    sind, ist es wichtig diese artgerecht zu beschäftigen. Hierfür eignet sich
    zum einen ein standsicherer Kratzbaum, auf dem die Katze klettern
    kann (der sich übrigens dann auch als erhöhter Schlafplatz sehr gut
    eignet), oder das Spiel mit der Katzenangel, bei dem das Tier seinen
    Jagdtrieb ausleben kann. Auch Intelligenzspiele oder das Einbringen
    verschiedener Gerüche (wie zum Beispiel Baldrian- oder
    Katzenminzkissen) können Ihre Katze beschäftigen. Bei der Auswahl der
    Spielzeuge sind Ihnen also keine Grenzen gesetzt.
    Wichtig hierbei ist aber vor allem das regelmäßige Auspowern ihrer
    Katze, welches Sie mindestens zweimal täglich 15 Minuten (eher öfter)
    machen sollten. Das fördert übrigens auch eine engere Bindung zu
    Ihrem Schützling. Hat die Katze genug vom Spielen wird sie es Ihnen
    zeigen.
  7. Tierarzt, Behörden und Co.:
    Tierarzt:
    Bei gesundheitlichen Problemen gibt es verschiedene Möglichkeiten.
    Bei Pflegestellen ist mit dem Verein zu klären, welche Kosten
    übernommen werden. Das ist vor einer Behandlung abzuklären!
    Ist z.B. das Autofahren für eine Katze unerträglich, kann ein/e Tierärztin
    ins Haus kommen, mit einer sogenannten mobilen Kleintierpraxis.
    Das ist auch dann empfehlenswert, wenn man selbst keine Möglichkeit
    hat, sein Tier in eine Praxis zu bringen. Die Bezahlung erfolgt meist
    sofort, manchmal auch über Rechnung.
    Wenn die Fahrt zum Tierarzt aber kein Problem für das Tier darstellt, ist
    auch die Kleintierpraxis eine Option. Manche dieser Praxen führen
    kleinere Operationen auch selber durch. Nach einigen Besuchen kennt
    der Arzt die Geschichte des Tieres, was bei einer längeren
    Behandlungsdauer von Vorteil sein kann. Für die Bezahlung gilt das
    Selbe wie bei der mobilen Kleintierpraxis.
    Tierkliniken haben den Vorteil, dass auch schwerere Operationen und
    Behandlungen in größerem Ausmaß (Akutfälle mit
    Übernachtungsaufenthalt) durchgeführt werden können, sollte dies
    nötig sein. Es gibt Kliniken, die sich auf ein Fachgebiet spezialisiert
    haben (wie zum Beispiel Chirurgie, Innere Medizin, Onkologie,
    Neurologie, etc). Welchen Spezialisten Ihre Katze benötigt ist vorher
    abzuklären. Bezahlt wird sofort oder, nach Absprache auch in Raten.
    OP- und Krankenversicherungen für Katzen:
    Für medizinische Behandlungen können Versicherungen abgeschlossen
    werden:
    – OP-Versicherung: Greift bei allem, wo eine Operation indiziert ist.
    Achtung: Zahnbehandlungen sind evtl. NICHT abgedeckt. Auch werden
    manche Behandlungen von der Versicherung nicht bezahlt. In den
    Verträgen ist auf das Kleingedruckte zu achten!
    – Krankenversicherung: Der umfassende Versicherungsschutz bei allen
    gängigen Behandlungen im Krankheitsfall. Auch hier ist wichtig: Achten
    Sie auf das Kleingedruckte, in dem steht, welche Behandlungsformen
    von der Versicherung ausgeklammert werden!
    – In einigen Städten/Landkreisen gibt es Einrichtungen wie z.B. die
    „Tierrettung“. Für einen relativ geringen Jahresbeitrag ist die
    Tierrettung in Notfällen sofort zur Stelle mit einem speziell
    ausgerüsteten Tierkrankenwagen. Bis zu einer gewissen Summe sind
    die Behandlungen mit eingeschlossen.
    Registrierung der Katze bei Suchdiensten:
    Ist die Katze schon bei TASSO registriert?? Jede Katze, die in
    Deutschland ankommt, hat einen Chip (i.d.R. an der linken Halsseite
    unter der Haut implantiert) mit einer zugehörigen Chipnummer, anhand
    derer man die Katze ihrem Halter (mit e-mail, Anschrift und
    Handynummer, je nachdem was der Halter bei TASSO angibt) zuordnen
    und sie somit identifizieren kann. Sollte die Katze weglaufen und von
    außenstehenden Personen gefunden werden, kann die
    Polizei/Tierheim/Tierarzt durch das Auslesen des Chips den Halter
    ausfindig machen und informieren.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, sich über den
Einzug Ihrer Katze zu informieren!
Im Sinne Ihres neuen Mitbewohners sind Informationen gerade am
Anfang wichtig und hilfreich.
Bei alledem aber wollen wir nicht vergessen, was Sie bereits
mitbringen: Herz und Bauchgefühl.
Beides wird Ihnen manchmal vielleicht die größte Hilfe sein, wenn es
gilt eine neue Situation zu bewältigen. Scheuen Sie sich nicht, sich bei
Fragen an die entsprechenden Info-Stellen zu wenden.
Viel Freude beim gegenseitigen Kennenlernen und eine gute
gemeinsame Zeit zusammen mit Ihrer Katze!
© Text und Fotos: Cristina Belz, März 2022